“Nichts ist dem Kind so begreiflich,
nichts scheint ihm so natürlich zu sein,
als das Wunderbare.”
Karl Salomo Zachariä von Lingenthal
Der Tagesablauf ist so strukturiert, dass es einerseits täglich wiederkehrende Rituale gibt, die den Kindern Sicherheit geben, andererseits aber viel Zeit bleibt für das selbstbestimmte Freispiel der Kinder.
| 8:15 – 8:25 Uhr | Bringzeit am Treffpunkt (Parkplatz) |
| 8:25 Uhr | Morgenkreis |
| anschließend | Weg zum »Waldsofa« |
| ca. 9:15 Uhr | gemeinsames Frühstück im Wald |
| ca. 9:45 Uhr | Freispiel, anschließend Projekt/geplantes Angebot |
| zweite Snackpause | |
| 12:45 Uhr | Abschlusskreis |
| anschließend | Rückweg zum Treffpunkt (Parkplatz) |
| 13:05 – 13:15 Uhr | Abholzeit |
Ein Tag bei uns im Wald
Die Kinder werden am Morgen zum Treffpunkt gebracht, Linda und Rita erwarten sie dort bereits. Gegen 8:25 Uhr fahren/gehen die Mamas und Papas los und wir beginnen unseren Kindergartentag mit dem »Morgenkreis«. Die Kinder schauen in die Runde, ob alle da sind oder ob jemand fehlt. Anschließend besprechen wir, was wir heute vorhaben, singen und vertreiben spielerisch den letzten Rest Schlafsand aus den Augen. Danach schultern wir die Rucksäcke und los geht’s.
Auf dem Weg zum Kurpark lassen wir uns natürlich Zeit! Es gibt so viel zu sehen und zu bestaunen. Wir beobachten die Tiere, begrüßen Spaziergänger, Hundebesitzer und Jogger, klettern, balancieren, sammeln besonders schöne Steine oder Stöcker zum Schnitzen. Oder zum Malen: Auf dem festen Sandweg kann man sich wunderbar mit Bildern »verewigen«.
An fest vereinbarten Plätzen, wie beispielsweise den »Wartebäumen«, halten wir an und warten, bis alle Kinder wieder zusammen sind (eine perfekte Übung für Geduld und Toleranz). So viel frische Luft macht irgendwann hungrig! An der Pforte zum Kleingartenverein wird abgestimmt, wo wir an diesem Morgen frühstücken. Die Mehrheit entscheidet, die anderen akzeptieren (bzw. üben sich darin). Bei sehr kaltem Wetter oder Regen essen wir nicht draußen, sondern im Wichtelhaus. Am Frühstücksplatz packen wir Sitzmatten und die Leckereien aus und waschen uns mit einem Waschlappen die Hände. Wir wählen ein Frühstückslied und nach dem Singen und einem kräftigen »Guten Appetit!« wird gegessen.
Guten Morgen lieber Käse,? guten Morgen liebe Wurst,
guten Morgen liebe Selter?, ja ich hab‘ schon großen Durst.
Was liegt heute in der Dose?? Lass mich raten, schau mal nach!
Apfelstückchen, leck’re Brote,?Wurzelstreifen, Paprika.
Oh ich kann nicht länger warten,? es ward langsam “höchste Tit”.
Darum wünsche ich euch allen ?einen guten Appetit!
Während des Frühstücks gibt es natürlich schon einiges zu plaudern. Wir planen, was nach dem Essen als Erstes gespielt werden soll oder wer welche Utensilien holt. Manchmal bekommen wir Besuch von einem Buchfink oder »unserem« Eichhörnchen Paul Puschel.
Wer fertig ist, räumt seinen Platz auf und packt alle Sachen eigenverantwortlich zurück in seinen Rucksack. Damit die Kinder in Ruhe essen und sich Zeit dabei lassen, gilt die Regel, dass erst losgespielt wird, wenn eine festgelegte Anzahl von Kindern mit dem Essen fertig ist.
“Wer den Weg zur Natur findet – findet auch den Weg zu sich selbst.”
Klaus Ender
In der anschließenden Freispielphase haben die Kinder einen großen Korb voll Möglichkeiten. Sie bauen Höhlen, kordeln, toben in der Lehmkuhle, schnitzen, schminken sich gegenseitig als Prinzessin oder Kater, malen, klettern, finden sich zusammen zu Rollenspielen wie den Kinderklassikern Kaufmannsladen oder Eisenbahn.
Oft setzen wir uns alle zusammen und lesen. Muckestutz verwaltet unsere kleine Bibliothek im Wichtelhaus, reihum bringen die Kinder auch ein Lieblingsbuch von zuhause mit, damit wir es alle kennen lernen können.
Abhängig von der Situation, dem aktuellen Projekt und den Bedürfnissen der Kinder findet im Anschluss meist noch ein geplantes Angebot statt, das sich an der jeweiligen Jahreszeit orientiert. Im Herbst basteln wir mit Blättern, im Winter machen wir einen Ausflug zu einer Eisfläche, im Frühjahr säen wir Möhren, Radieschen etc., im Sommer ernten wir schon einiges und bereiten uns die leckersten Dinge zu. Wir planen kleine Ausstellungen (z.B. Raupenbilder oder »Das Leben im Waldboden«), die wir zusammen vorbereiten.
Jeder Tag ist besonders. Durch die sich verändernde Umgebung treffen wir jeden Tag auf etwas Neues. Es gibt so viel zu entdecken, zu bestaunen, zu spielen und zu lernen, dass die Zeit eigentlich kaum ausreicht.
Die schönsten aller besonderen Tage sind die, an denen wir unsere Feste feiern. Z.B. den Geburtstag eines Waldkindes, Ostern, unser Laternenfest im Herbst, im Juli das Schlaffest, mit dem wir die Schulkinder verabschieden, das Lichterfest kurz vor Weihnachten, an dem wir das Wichtelhaus in eine Waffelbäckerei verwandeln und den Eltern selbst gebastelte Geschenke überreichen. Ein besonderes Highlight ist jedes Jahr das »Winteraustreiben«. An einem Tag im März ziehen wir verkleidet und singend durch den Wald. Wir klappern so kräftig mit unseren selbst gebastelten »Krachmachern«, dass der Winter keine Chance hat und ganz schnell Platz für den Frühling macht.
Ob es ein gewöhnlich besonderer oder ein besonders besonderer Tag war, er endet gegen 12:45 Uhr mit unserem Abschlusskreis. Damit leiten wir den Heimweg zum Parkplatz ein, wo wir ca. eine halbe Stunde später wieder auf die Eltern treffen (und meist noch eine Weile plaudern).
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